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Wann sind Sie das letzte mal richtig satt geworden? – Das Welternährungsprogramm der UN
Lesezeit: 7 Minuten

Every ration cut means a child goes to bed hungry, a mother skips a meal, or a family loses the support they need to survive” 

World Food Programme Executive Director Cindy McCain

„Jede Kürzung der Rationen bedeutet, dass ein Kind hungrig ins Bett geht, eine Mutter eine Mahlzeit auslässt oder eine Familie die Unterstützung verliert, die sie zum Überleben braucht“, sagt Cindy McCain, Exekutivdirektorin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen.

Und damit zur Frage: Wann sind Sie das letzte mal richtig satt geworden? Hatten Sie ein Brötchen mit Käse, belegt mit Gurke und Tomate? Eine heiße Linsensuppe? Oder vielleicht Pfannkuchen nach Omas Rezept? Was für uns Alltag ist, ist für Hunderte Millionen Menschen ein unerreichbarer Traum. Laut dem UN-Bericht „The State of Food Security and Nutrition in the World“ litten im Jahr 2024 rund 673 Millionen Menschen weltweit an Hunger. Das sind ca. 8,2 Prozent der gesamten Weltbevölkerung. Sie haben keine Auswahl, kein Frühstück, kein Abendessen und oft keine Ahnung, wann es das nächste Mal etwas zu essen gibt. Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen ist eine der Organisationen, die dagegen ankämpft und weltweit in über 120 Ländern aktiv ist. 2024 versorgte es mehr als 125 Millionen Menschen mit Nahrung und rettete dadurch unzählige Leben. Um die Hungerkrise wirklich zu stoppen, reicht es aber nicht nur kurzfristig zu helfen, denn es müssen die Ursachen und Strukturen bekämpft werden. Das WFP hilft deswegen nicht nur in absoluten Notsituationen, sondern arbeitet daran, langfristige Strukturen aufzubauen, damit Menschen wieder für sich selbst sorgen können.

Eine international anerkannte Organisation zu haben, die gegen den Hunger auf der Welt ankämpft, klingt hier erst einmal ganz gut, oder nicht? Wir als Weltgemeinschaft hätten das Problem erkannt und würden versuchen, dagegen anzuarbeiten. Jedoch spiegelt das nicht die Realität wider. Wenn man sich die Finanzierung des Welternährungsprogramms anschaut, fällt nämlich direkt eines auf: Sie besteht aus keinen festen Mitteln des UN-Haushalts, sondern aus freiwilligen, sich verändernden Beiträgen verschiedener Regierungen und Unterstützer*innen. Damit Nahrungsmittel überhaupt beschafft und transportiert werden können, braucht es diese finanziellen Mittel. Mehr als 60 Regierungen weltweit unterstützen deswegen regelmäßig die Arbeit des WFP. Deutschland war dabei immer ein besonders engagierter Partner und zählte seit Jahren zu den größten Unterstützern. Im Jahr 2024 stellte die Bundesregierung beispielsweise über 900 Millionen Euro bereit, sowohl für akute Nothilfe als auch für langfristige Programme zur Stärkung der Ernährungssicherheit. Aber auch Unternehmen und Privatpersonen leisten einen wichtigen Beitrag, indem sie spenden, Dienstleistungen zur Verfügung stellen oder Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Im Oktober kündigte das WFP allerdings an, dass es 2025 mit fast 40% weniger Budget auskommen muss als im Vorjahr. Der Grund? Fehlende Unterstützung und drastische Kürzungen der finanziellen Mittel durch verschiedene Regierungen. Besonders stark reduzieren die USA ihre Unterstützung, dicht gefolgt von Deutschland. Von Präsident Trump, der sich ohnehin zunehmend von der internationalen Zusammenarbeit distanziert, war nichts anderes zu erwarten. Trotzdem ist es ein schlechtes Signal und sollte Deutschland nicht als Vorbild dienen. Denn die Folge ist klar: weniger Hilfe, weniger Nahrung, mehr Hunger. Programme müssen zurückgefahren werden, selbst dort, wo sie bereits nachweislich geholfen haben. In der Sahelzone etwa wurden in den letzten Jahren Menschen gezielt gestärkt, damit sie unabhängig von Nothilfe leben können. Strukturen wurden aufgebaut und Selbstversorgung ermöglicht. Doch diese Erfolge stehen nun auf dem Spiel, denn ohne weitere Unterstützung droht ein Rückfall. Jahrzehntelange Fortschritte könnten in wenigen Monaten verloren gehen und damit auch das Vertrauen, dass Veränderung überhaupt möglich ist.

Den Hunger in der Welt zu beenden, ist eine enorme Herausforderung, die uns seit Langem begleitet und nicht von heute auf morgen gelöst werden kann. Das Ziel einer Welt ohne Hunger, wie es in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, konkret im Nachhaltigkeitsziel zwei, formuliert ist, bleibt dringend und von großer Bedeutung. Dennoch rückt dieses Ziel zunehmend in die Ferne: Von Jahr zu Jahr verlangsamen sich die Fortschritte. Die Frage ist: Warum? Fakt ist: Obwohl weltweit genügend Nahrungsmittel produziert werden, um alle Menschen auf diesem Planeten zu ernähren, haben viele weiterhin keinen Zugang zu ausreichender und gesunder Nahrung.

Es ist also berechtigt zu fragen: Wie kann es sein, dass in einer Welt voller Überfluss noch immer so viele Menschen hungern? Wie können wir unseren Konsum ausleben, während andere nicht wissen, ob sie am nächsten Tag eine Mahlzeit bekommen können? Während in wohlhabenden Ländern Lebensmittel massenhaft verschwendet werden, kämpfen weltweit Millionen Menschen, um den Zugang zu ausreichender und gesunder Nahrung. Wie der UN-Bericht „The State of Food Security and Nutrition in the World 2025“ zeigt, sind dabei besonders einkommensarme Regionen Afrikas und Westasiens betroffen. Dort ist mittlerweile mehr als jeder fünfte Mensch von Hunger betroffen, vor allem Haushalte mit geringem Einkommen, Kleinbäuer*innen und Kinder, die einen Großteil ihres Einkommens für Lebensmittel aufwenden müssen.

Die Ursachen für Hunger sind vielfältig. Eine enorme Rolle spielen Konflikte. Sie vertreiben Menschen von ihrem Land, zerstören ihre Lebensgrundlagen, lassen Märkte zusammenbrechen und treiben die Preise für Lebensmittel in die Höhe. Globale Krisen wie die COVID-19-Pandemie oder der Krieg in der Ukraine haben die Lebensmittelpreise weltweit massiv steigen lassen. Besonders in ärmeren Ländern lag die Lebensmittelpreisinflation zeitweise bei rund 30%. Wenn Wirtschaftskrisen oder gestörte Lieferketten die Preise in die Höhe treiben, trifft das nicht alle gleich. Es trifft vor allem diejenigen, die ohnehin kaum finanziellen Spielraum haben und sich selbst grundlegende Ernährung immer weniger leisten können. Auch die Klimakrise verschärft die Lage dramatisch. Ein Problem, das vor allem von Industrieländern verursacht wurde, trifft heute ausgerechnet jene Länder am härtesten, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Dürren trocknen Felder aus, Überschwemmungen zerstören Ernten und Böden, ganze Regionen werden unbewohnbar. Die Landwirtschaft wird durch extreme Wetterereignisse zunehmend unberechenbar. Jeder neue Hitzerekord und jedes Unwetter kann für Millionen Menschen den Verlust ihrer Lebensgrundlage und oft auch ihrer einzigen Nahrungsquelle bedeuten.

Hunger ist kein Zufall. Hunger ist nicht nur ein Problem anderer Länder. Er ist Ausdruck globaler Ungerechtigkeiten und wirtschaftlicher Strukturen, in denen Ressourcen, Einkommen und politische Macht extrem ungleich verteilt sind. Das beginnt bei der Frage, woher unsere Lebensmittel kommen und unter welchen Bedingungen sie produziert werden. Warum können Landwirt*innen im Globalen Süden kaum von ihrer Arbeit leben, während in reichen Ländern jedes Jahr Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel weggeworfen werden? Es braucht fairen Handel, politische Bildung und ein kritisches Nachdenken über unseren Konsum. Globale Gerechtigkeit beginnt vor der eigenen Haustür mit einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und der Frage, was wir als selbstverständlich hinnehmen. Entscheidend sind jedoch politische Entscheidungen, die Hunger nicht nur verwalten, sondern seine Ursachen bekämpfen. Dazu gehören soziale Sicherungssysteme, Maßnahmen gegen extreme Preissteigerungen, Investitionen in nachhaltige Landwirtschaft, Infrastruktur und Klimaanpassung sowie eine verlässliche Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit. Doch stattdessen fließen weiterhin Milliarden in klimaschädliche Subventionen oder in Maßnahmen, die Konsum künstlich billig halten. Warum ist es politisch möglich, Fliegen immer günstiger zu machen und damit dem Klima zu schaden, während Programme zur Ernährungssicherung, zur Anpassung an den Klimawandel und die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit gekürzt werden? Die Kürzungen beim Welternährungsprogramm sind dafür nur ein Beispiel. Insgesamt wird das Budget des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung immer stärker gekürzt. Solange diese Prioritäten bestehen, wird die Hungerkrise nicht verschwinden, nicht aus Mangel an Wissen oder Ressourcen, sondern aus Mangel an politischem Willen.

Doch was genau können Sie und ich tun? Das einfachste ist natürlich Spenden. Jede Unterstützung hilft mehr Nahrung zu beschaffen, zu transportieren und zu verteilen. Seriöse Organisationen, wie das WFP, Brot für die Welt, CARE oder die Welthungerhilfe, sind Anlaufstellen, um sich über den Kampf gegen Hunger zu informieren und sich zu engagieren. Das zweite ist darüber zu sprechen, zu informieren und politischen Druck auszuüben. Während der Recherche bin ich auf eine weitere, etwas unkonventionelle Methode der Unterstützung gestoßen, die ich Ihnen hier vorstellen möchte: Freerice. Freerice ist eine kostenlose Online-Plattform des Welternährungsprogramms, die Lernen und Helfen auf einfache Weise verbindet. Das Prinzip ist bewusst niedrigschwellig: Man beantwortet kurze Multiple-Choice-Fragen, etwa zu Sprachen, Geografie, Mathematik oder Allgemeinwissen und für jede richtige Antwort werden 10 Reiskörner für hungernde Menschen „gesammelt“. Es gibt kein Zeitlimit, keine Verpflichtung und keine Kosten. Jede richtige Antwort zählt. Finanziert wird Freerice nicht durch Werbung, sondern über ein Sponsor-Matching-Modell. Private Partner*innen gleichen die erspielten Reiskörner mit echten Geldbeträgen aus, die zu 100% an das World Food Programme fließen. 3,5 Millionen Menschen haben die Seite 2025 genutzt und mehr als 225 Milliarden Reiskörner wurden seit Gründung gespendet. Doch das ganze muss auch kritischer eingeordnet werden. Gamifizierte Spendenformate wie Freerice wirken auf den ersten Blick attraktiv: Man spielt ein Spiel und tut gleichzeitig etwas „Gutes“. Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich jedoch deutliche Schwächen. Solche Formate sind stark spendenabhängig und damit keine verlässliche Lösung für globale Probleme wie Hunger. Sie reduzieren komplexe gesellschaftliche und politische Ursachen auf ein vereinfachtes Spielprinzip und verschleiern, dass strukturelle Veränderungen nötig wären. Dabei erzeugt diese Gamification vor allem ein kurzfristig positives Gefühl bei den Nutzenden, statt nachhaltiges Engagement zu fördern. Hinzu kommt eine intransparente Mittelverwendung: Wie genau die Einnahmen verteilt werden und welche Wirkung sie erzielen, bleibt oft unklar. Freerice zeigt damit exemplarisch die Grenzen digitaler „Gutes-Tun“-Spiele. Verstehen Sie mich nicht falsch: Es schadet nicht, wenn Sie diese Form der Unterstützung ausprobieren. Seien Sie sich aber bewusst, dass es nicht die Lösung ist. Es wäre irreführend zu denken, dass man durch ein paar Klicks den Hunger beendet und kein weiteres Engagement nötig ist. Wenn Freerice Wirkung erzielt, ist diese verhältnismäßig klein und löst nicht die zugrunde liegenden strukturellen Probleme.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen gerne noch eins mitgeben: Unsere Welt steht vor zahlreichen Herausforderungen und oft ist unklar, welchem Thema zuerst Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Das ist normal und verständlich. Dennoch dürfen wir den weltweiten Hunger als Folge dieser Krisen nicht aus dem Blick verlieren. Wenn wir ihn aus der öffentlichen Debatte verdrängen, wird er auch aus politischen Prioritäten verschwinden. Öffentliche Aufmerksamkeit kann verhindern, dass lebensrettende Programme stillschweigend gekürzt werden. Sie kann Regierungen daran erinnern, dass Verantwortung nicht an Landesgrenzen endet. Deutschland hat in den letzten Jahren gezeigt, dass solidarisches Handeln möglich ist, nun gilt es, dieses Signal aufrechtzuerhalten und international zu verstärken. Hunger ist kein Naturgesetz. Er ist menschengemacht und damit auch von Menschen zu beenden. Informiert zu bleiben, darüber zu sprechen und Haltung zu zeigen, ist kein kleiner Beitrag. Ein kleiner Beitrag, der etwas bewirken kann.

Wenn Sie noch mehr über die Arbeit des Welternährungsprogramms und über die Zahlen und Fakten aus diesem Beitrag wissen möchten, können Sie hier weitere spannende Links finden. Wenn Sie mir auf diesen Blogbeitrag antworten wollen, können Sie das gerne hier tun.

Ihr Clemens